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                 Leben und Tod

                   Ein Kapitel aus dem nebenstehenden Buch     

                         von Agnus D.  /  anno domini  2004        

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lebenundtod.zip

 

 

 

 

Es heißt, dass im Leben nichts sicher ist außer dem Tod. In jedem Moment kann er eintreten, sei es nun durch Unfall, Krankheit oder irgend eine äußere Gewalt, als natürlichste Sache von der Welt. Heißt es doch auch, dass alles was kommt, ebenso wieder gehen muss. Man wird in das Leben hineingeboren, und scheidet daraus sterbend wieder aus. Zunächst betrifft zwar der Tod die anderen, doch irgendwann früher oder später ist man selbst an der Reihe, ob man will oder nicht. Nachdenkliche und am Dasein an sich, interessierte Menschen fragen sich deswegen nach dem Sinn ihres Seins. Welchen Sinn soll das geschenkte Leben gehabt haben, wenn es einem doch wieder genommen wird? Und warum und wozu gibt es das Dasein überhaupt? Weshalb ist nicht einfach nur nichts?

Man kann ja noch verstehen, dass für die Evolution des Lebens, als eine beständige Höherentwicklung, das veraltete Modell durch ein neueres zu ersetzen ist, weshalb das alte nach Ausgebrauch zu entsorgen wäre. Aber sind nicht wir vernunftbegabten Menschen mit unseren stolzen Zivilisationserrungenschaften erkennbarer Höhe- und Endpunkt in der Selbstorganisation der Natur? Da könnte man doch bei uns schon mal einen Schlussstrich unter den Tod ziehen!

Doch die naturgemäße Vergänglichkeit zu einer jeglichen Endlichkeit, lässt da nicht mit sich reden. Alle neuesten und hoffnungsvollen Versuche des Menschen das Leben zu verlängern, oder gar das Altern genetisch möglichst vollständig auszuschalten, mündet bestenfalls in eine Scheinunsterblichkeit, weil der Tod bei der All-Ausdehnung zur energetischen Verebbung universales Programm sein muss. Dies bedeutet, dass dann bei Erreichen einer Quasi-Unsterblichkeit der Todeszeitpunkt nur auf eine höhere Ebene gehoben wird, sodass jetzt in einem entsprechend vergrößerten Zeitrahmen gestorben werden müsste.

Jes 26,14 Sie, die nun tot sind, werden nicht wieder lebendig; Schatten stehen nicht wieder auf; darum hast du sie gerichtet und ausgerottet und jede Erinnerung an sie vernichtet.

Als die Menschen der Antike das Denken kultiviert hatten, spukte von da an auch immer wieder der Gedanke eines Urgrundes oder ersten Bewegers in ihren Köpfen herum. Denn wenn eins aus dem anderen folgt, wird in jedem Moment immer wieder der Anfang von etwas Neuem und das Ende von etwas Altem aufgezeigt ( = jede Sekunde, Minute, Stunde, Woche, Ära usw. ist das Ende der Vorhergehenden und zugleich der Anfang der Nachfolgenden ). Dann - so dachte man - sollte es auch für alles insgesamt einen Anfang und ein Ende geben. Und dort, wo dann alles urgründig anfinge, müsste eine erste Ursache wirken, die in ihrer Allgrundlegung dementsprechend allumfassend und allmächtig wäre. Da aber diese erste Ursache sozusagen in der Luft hängen musste, und von nichts nichts kommen kann, konnte sie auch kaum ernsthaft diskutiert werden. Es nützte auch nichts, wenn man dann tatsächlich schon einmal an eine Geschlossenheit des Ganzen zu einer Kreisfunktion dachte, wie sie in der Bibel z.B. in Offb. 22,13 mit dem „A und O“ nahegelegt ist. Denn wie die konkret auszusehen hätte, konnte sich keiner vorstellen.

Eines aber schien dabei immer allen klar zu sein, dass mit einem Anfang auch das Ende vorgegeben sein müsste, und dass eine Bewegung allein dadurch, dass sie beginnt, auch wieder zu enden hat. Denn der Beginn an sich, ist ja nur dort möglich, wo nichts mehr geht, wo alles in der Bewegung zum Nullpunkt markierenden Stillstand gekommen sein muss. Wo also etwas Begonnenhabendes noch am Laufen ist, kann kein Beginn an sich, stattfinden. Das Dasein als etwas prinzipiell in sich selbst Begonnenes, kann folglich nur da seinen Beginn haben, wo es in sich selbst durch sich selbst zum Erliegen kommt. Was sich bei einer Formulierung wie: „in sich selbst durch sich selbst“, deswegen ausschließlich durch ein das Dasein vergegenständlichendes Selbst verwirklichen kann.

Joh 9,4 Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, wo niemand wirken kann.

Mit der Nacht in welcher niemand mehr wirken kann, weil hier das Dasein in Erfülltheit der selbsteinholenden Rückkoppelung zum urplötzlichen Stillstand gekommen ist, ist der absolut alles entscheidende Nullpunkt des Daseins erreicht. Für die nullpunktuelle Selbstrückschließung war die selbstüberbrückende Menschwerdung des Wortes erforderlich gewesen. Allein sie vermag im Scheitelpunkt aller Bewegung - zum totalen Stillstand des Ganzen - als tödliche Selbstbedrohtheit des wesentlich Bewegung seienden Daseins, genau diese Erkenntnis zu vermitteln. Und wiederum nur die direkte, schockierende Erkennung seiner zentralen Selbstgefährdetheit ist in der Lage, dem Dasein aufrüttelnden Antrieb zur auferstehlichen Überwindung seines zentralen Totpunktes zu geben. Das ist nun die Ursituation, in welcher sich das Dasein über sein Selbst mit uranfänglicher Selbstverwerfung in die selbsterhaltende, kreisförmige Selbstbewegung zurückzuholen hat.

Da wir das Leben hauptsächlich als einen auf Stoffwechsel und Reproduktion basierenden, biologischen Prozess der Rückkoppelung mit Fremdunterscheidung definieren, zeigt sich hier deutlich die Bewegung als Motor des Lebens. Darum setzt mit Bewegungsende der Tod als Erlöschung aller Lebensfunktionen ein. Kommt also der Herzschlag - als die rhythmische Grundbewegung des Lebens - zum vollständigen Stillstand, dann bricht die sauerstoffabhängige Kreislaufbewegung zusammen, und der Tod tritt mit einer Übergangsphase von wenigen Minuten unwiderruflich ein.

Daher sind Wiedererweckungen von Gestorbenen heutzutage grundsätzlich nicht glaubhaft. Es sei denn, man will Jesus als den sehen und anerkennen, als den er sich vor seinem Tod am Kreuz und nach seiner Auferstehung aus dem Grab bezeugt hatte. Aufgrund dessen muss seine Auferstehung von den Toten den Kern des christlichen Bekenntnisses bilden. Wer seine Auferstehung mit Himmelfahrt und Pfingsten nicht zum Glauben annimmt, findet sonst an Jesus kaum noch etwas, das den Glauben lohnt.

Mit dem je individuellen Tod ist auch das je individuelle Zeitende erreicht, sodass sich für das gestorbene Leben die Rückverbindung zur überzeitlich nullpunktuellen Selbstschnittstelle des Daseins einstellt, von wo heraus alles zeitliche Dasein beginnt und wieder endet. Gelingt es also einem dazu vorherbestimmten Menschen, auf seinem rückkoppelungs-weisen Selbsteinholungsweg sein Leben in der direkten Sohn-Bezogenheit auszuhauchen, dann tritt das von Jesus Verheißene ein, und die Selbstschnittstelle des Daseins verwirklicht sich in ihm. Verbunden ist damit eine Befähigung zur Allspiegelung, welche den Betreffenden zu Adam ausweist, als jenem über-personalen Menschenvater.

Jes 25,8 Er wird den Tod auf ewig verschlingen. Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und die Schmach seines Volkes von der ganzen Erde hinwegnehmen! Ja, der Herr hat es verheißen.

Offb 21,4 Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

So ist es jener die zum Tod und Leben gleichermaßen bestehende Selbstschnittstelle des Daseins verkörpernde Adam, der in seinem rückkoppelnden Selbstverwerfungsakt einem damit unsäglich geschundenen Vollzugsdasein Anfang und Ende zum vergänglichkeitsgemäßen Tod bereitet, um hierdurch einem unsäglich geheilten Dasein der Vollzogenheit ohne Anfang und Ende zu unvergänglichem Leben verholfen zu haben.

Offb 1,17 Und als ich Ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen wie tot. Und er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte.

Offb 1,18 und der Lebendige; ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Totenreichs.

Offb 2,8 ............. Das sagt der Erste und der Letzte, welcher tot war und lebendig geworden ist:

Worauf es hierbei ankam, soll nochmals das nachstehende Zitat verdeutlichen.

Joh 12,25 Wer seine Seele liebt, der wird sie verlieren; wer aber seine Seele in dieser Welt hasst, wird sie zum ewigen Leben bewahren.

Die zum absoluten Bewegungsstillstand bestehende Mitte der Selbstschnittstelle ( = der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen vor der Entscheidung, = der Baum des Lebens und des Todes nach der Entscheidung ), bringt eine Selbstkonfrontation des Daseins innerhalb von sich selbst mit sich ( = die Seelenentscheidung zur Selbstabstoßung als Selbstweiche ), woraus sein Selbstakt zu entspringen hat, welcher als die vergängliche Vollzugswelt mit seiner Abgelaufenheit zur unvergänglichen Vollzogenheitswelt wird.

Die für jedermann selbstverständliche Tatsache, dass mit der vorhandenen Vollzugswelt das Sein und nicht das Nichts ist, bedeutet daher, dass die Selbstverwerfung des Daseins zu seiner Selbstrückkoppelung erfolgreich stattgefunden hat, sodass mit ihrem Anfang zugleich auch schon das Ende vorgegeben wurde, auf welches die Schöpfung seit Anbeginn sehnlichst wartet.

 

Das Evangelium der Apostel ist die Botschaft vom unendlichen Leben mit Gott zusammen in einer anderen, zweiten Weltzeit. Sie sollte die erste derzeit noch laufende Weltzeit einer vergänglichen Gottesferne auf alle Ewigkeit ablösen. Zwischen den beiden somit polaren Weltzeiten einer vergänglichkeitsweisen Endlichkeit und unvergänglichkeitsweisen Unendlichkeit steht der endlichkeitsgemäße Tod, auf den dann das unendliche Leben zu folgen hätte. Das war auch der Kern in Jesu Verkündigung, um den sich alles andere damit Zusammenhängende rankte. Indem es also vom endlichen Leben in das unendliche zu gehen hatte, war der Tod für Jesus - als zu vernachlässigende Zwischenstation - kein eigentliches Thema. Wurde er aber doch einmal von ihm erwähnt, so geschah dies dann in der Hervorhebung seiner Überwindbarkeit bei Annahme seiner Worte.

Mt 24,35 + Mk 13,31 + Lk 21,33  Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.

Mk 9,1 + Lk 9,27 + Mt 16,28  Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, es sind etliche unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes mit Macht haben kommen sehen.

Joh 8,51 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn jemand mein Wort be- wahrt, so wird er den Tod nicht sehen in Ewigkeit!

Lk 9,60 + Mt 8,22 Jesus aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes!

Ein solcher Vortrag hätte Nachfragen auslösen müssen, wie man sich sowas vorzustellen habe. Entweder sind sie nicht gestellt worden, oder Jesus ist ihnen wohlweislich ausgewichen, um bei ständiger Gefahr des Ärgernisses keine Perlen vor die Schweine zu streuen ( Mt 7,6 ), oder Öl ins lodernde Feuer zu gießen. So hätte eine in ihrer fremdartigen Abstraktheit nach reiner Fantasie klingen müssende Erklärung sehr wahrscheinlich das Gegenteil des Beabsichtigten bewirkt. Dass es in der Tat einer großen, welt- und daseinserklärenden Ausholung bedurft hätte, um seinem Publikum ein hinreichendes Verständnis all dessen nahezubringen, zeigt im Folgenden die tiefe Verwurzeltheit des damaligen Denkens im alltagsgewohnt Gegenständlichen.

Joh 8,52 Da sprachen die Juden zu ihm: Jetzt erkennen wir, dass du einen Dämon hast! Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sagst: Wenn jemand mein Wort bewahrt, so wird er den Tod nicht schmecken in Ewigkeit.

Der Welt ihre Daseinsgründe offenzulegen, lag nicht in Jesu Selbstbrückenmission. Der ganze Komplex wäre ohne eine entsprechende Vorbildung, wie sie heutzutage die modernen Zeiten einem Großteil der Menschheit bieten, auch nicht wirklich zu verstehen gewesen. Wohl deswegen beließ es Jesus bei der so unumgänglichen Verständnislosigkeit, und setzte alles auf eine von der Vollmacht abzuleitende Glaubwürdigkeit, die er dann mit so genannten Zeichen belegte. Doch für die Botschaft der Lebensunendlichkeit konnte es keinen besseren Beweis als seine demonstrierte Macht über den Tod geben, die er mehrmals einem staunenden und ratlosen Publikum vorführte.

Joh 12,9 Es erfuhr nun eine große Menge der Juden, dass er dort sei; und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte.

Bei der Unglaublichkeit solcher Machttaten eines sonst ganz normal erscheinenden Menschen, wurde aber dennoch weniger der Glaube an ihn, als das komplette Spektrum widerstreitender Gefühle mobilisiert. Wenn also schon kaum an Jesus verkündeter Gottes- und Vaterbeziehung geglaubt wurde, so sollten jedenfalls dann seine Wundertaten durch sich selbst sprechen. Und die belegten in jenen beiden überlieferten Fällen den Tod als grundsätzlich überwindbar. Allerdings ebenso prinzipiell nur durch denjenigen, der auch die Macht dazu hat, oder welchem dieser solche Macht verleihen wollte. Und das wiederum sollte vom Glauben an Jesu Wahrhaftigkeit abhängig sein, womit sich der Kreis schließt. Ohne den Glauben an Jesus in Form der Anerkennung seines Allumfassungsanspruchs, würde es kein Entrinnen aus dem Tod geben können.

 

 

Eine Besonderheit bildet zum Schluss des Neuen Testaments in der Johannes-Offenbarung die Rede vom „zweiten Tod“. Denn er setzt einen ersten Tod mit einer Auferstehung aus eben diesem Tod voraus. Wie kann man sterben, um aus dem Tod wieder aufzuerstehen, und dann nochmals vom Tod bedroht zu sein? Eigentlich ein Unding, mit dem es deswegen eine eigentümliche Bewandtnis haben muss. Dabei kommt man wieder auf die Selbstrückkoppelung des Daseins, welche im Rahmen von sich wechselseitig bedingender Ursache und Wirkung eines zweimaligen, identischen Kreislaufs bedarf, um in jeder der beiden Gegenpositionen rückgeschlossen zu sein.

Offb 2,11 Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt: Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tod!

Offb 20,6 Selig und heilig ist, wer teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein, und mit ihm regieren tausend Jahre

Die Selbstschnittstelle des Daseins mit ihrer nullpunktuellen Zentralität lässt in ihrem sie vergegenständlichenden Selbst alles ausnahmslos auferstanden sein. Daher nimmt auch im Selbst alles an dessen polarem Schicksal eines nichtselbst-seienden Versagens und eines selbstseienden Erfüllens teil.

Doch ist die überzeitliche Selbstschnittstelle Zentrum des zeitlichen Vollzugs, wodurch sie zu ihm gehört, und von ihm umschlossen wird. Folglich muss erstens die Schnittstelle vom Selbst unter Zurücklassung des Selbst wieder verlassen werden, und zweitens geht es hierbei wieder zurück in den Vollzug, dem damit noch eine letzte Frist bis zu seinem tatsächlichen Ende gesetzt ist.

Das Symbol der „tausend Regierungsjahre“ steht mithin für die durch nichts und niemanden mehr zu verhindernde, absolut feststehende Umschaltung des Daseins auf seine Vollzogenheit bei vollendeter Wirkursächlichkeit. Sie ist als definitives Ende des Vollzugs der zweite Tod, sowie als definitive Vollzogenheit die zweite Auferstehung.

Mt 7,14 Aber die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden!

Mt 10,39 Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.

Der Weg ist derart schmal, dass er nur für das zur Selbsteinholung vorbestimmte Selbst des Daseins gangbar und auffindbar war. Adam hauchte sein Leben um Christi Willen buchstäblich in Liebe zu ihm aus, um es in der hierdurch verwirklichten Selbstschnittstelle über seine weltgrundlegende Selbstverwerfung wieder an sich nehmen zu können.

Joh 17,24 Vater ........... denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt!

Auf diese Weise erfüllten sich Jesu Worte auf das Genaueste. Aber vor der Zeit kann nun einmal nicht bekannt sein, wer zum Selbst des Daseins vorbestimmt ist. Infolgedessen waren alle zu rufen, damit hierbei letztlich derjenige erreicht werden konnte, dem dies alles zu gelten hatte, weil er mit seiner Vergegenständlichung der Selbstschnittstelle eben für alle und alles steht. Als umsonst ist darum keine all jener Entbehrungen anzusehen, welche Christen und Gemeinden über die Zeiten hinweg auf sich genommen haben, wenn sie Jesu allgemeingültig gehaltene Forderungen auf sich bezogen hatten.

Alles trägt in der bei totalsingularitätsgemäßer Nullpunktualität gegeben sein müssenden, globalen Programmatik dazu bei, dass die zeitlichen Dinge so kommen, wie sie aus der überzeitlichen Selbstschnittstelle heraus durch den über das vergegenständlichende Selbst in sich selbst gestellten Akt solchermaßen vorbestimmt, dann in Zeit und Vollzug sich auszuzeitigen haben.

Weil die Selbstorganisation des totalsingularen Daseins nur auf einer Allvernetzung beruhen kann, hängt alles mit allem zusammen. Alles Daseiende hat so ein breites, stammbaumartiges Fundament. Gleiches gilt natürlich auch für die final-kausale Selbsteinholung des Vaters. Deswegen musste alttestamentlich früh bei einem Volk angesetzt werden, und neutestamentlich international weitergemacht werden.

Es konnte nicht ausbleiben, dass Jesus im weitgefassten Aufruf an alle den Eindruck einer zu bringenden Glaubens- und Überwindungsleistung erwecken und fördern musste, wenn seine Botschaft ernst genommen und weitergetragen werden sollte. Die Vorlage dafür findet sich in der einstigen Aufforderung des Herrn an die mosaischen Israeliten, einen Jahwe-Kult aufzubauen, da Gott sein Verborgenheitsdilemma auszugleichen hatte. Insoweit führte Jesus das sich zuvor schon bewährt habende Vergegenwärtigungskonzept fort, indem er zu erfüllende Forderungen erhob. Schließlich ist es allgemein schon so, dass von nichts auch nichts kommt. Und mit der Selbsteinholung zum Selbst aus dem polaren Nichtselbst heraus, sind nun mal Überwindungsanforderungen verbunden.

Joh 6,27 Wirket nicht die Speise, die vergänglich ist, sondern die Speise, die ins ewige Leben bleibt, welche des Menschen Sohn euch geben wird; denn diesen hat Gott, der Vater, bestätigt!

Mt 19,16 + Lk 18,18 + Lk 10,25 Und siehe, einer trat herzu und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich Gutes tun, um das ewige Leben zu erlangen?

Mt 19,17 Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich nach dem Guten? Es ist nur Einer gut! Willst du aber in das Leben eingehen, so halte die Gebote!

Mk 10,45 Denn auch des Menschen Sohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

Joh 5,39 Ihr erforschet die Schriften, weil ihr meinet, darin das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir zeugen.

Lk 10,28 Er sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue das, so wirst du leben!

Die Gebote zu halten ist also noch nicht das Gute, führt aber zum Guten hin, welches das Leben ist, das von Gott verkörpert wird. Die Gebote sind hierbei eine gute Zivilisationsgrundlage für ein geregeltes Miteinander der Menschen, zum Wohle aller. Sie hängen nun indirekt mit der Selbsteinholung von Wort und Sprecher zusammen, als dafür ein bestens geordnetes und gut funktionierendes Gemeinwesen die Voraussetzung ist. Insoweit kommt der Einhaltung der Gebote größte Bedeutung zu, sodass ihre Beachtung schlichtweg „gut“ ist.

Lk 18,30 + Mk 10,30  der es nicht vielfältig wieder empfinge in dieser Zeit und in der zukünftigen Weltzeit das ewige Leben!

Die zukünftige Weltzeit wäre keine Weltzeit, wenn sie nicht die komplette Welt, und eben damit ausnahmslos alle Menschen umgreifen würde, sonst wäre sie wohl eher „Teilzeit“ zu nennen. Und eine mit der Zeit entstandene und vergangene Welt, die ganzheitlich in einer anderen Weltzeit wieder zum Vorschein kommt, kann darin nur mit ihrer Zeitlichkeit aufgehoben sein, womit sie zeitlos unvergänglich ist. Jesus lässt dann noch der Wahrheitspflicht wegen, entgegen den von ihm propagierten Anforderung für das Reich, in Anspielungen an die Klugheit ( = Ohren zu hören, Augen zu sehen ) die Tatsächlichkeit der Daseinsverhältnisse durchblicken, die totalsingularitätsgemäß weder von irgend einer Leistung noch irgend einer Gnade abhängig sein können.

Lk 20,38 Er ist aber nicht Gott der Toten, sondern der Lebendigen; denn ihm leben alle.

Mt 5,45 auf dass ihr Kinder eures Vaters im Himmel seid. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.

„Alle“, das sind buchstäblich alle ohne Ausnahme, weil das Dasein eine einzige unteilbare Schicksalsgemeinschaft bildet, mit den Guten wie auch den Bösen. Freilich geht nur das Gute in jene zukünftige, als das Reich Gottes bestehende Weltzeit ein, indem mit der Aktabgelaufenheit zugleich auch das systemisch zum Vollzug gehörige Böse mitunterge-gangen ist. Die im Vollzug jeden und alles erreichende Selbstweiche von der nullpunktuellen Selbstschnittstelle her, trennt alles und jeden von sich selbst, zum Selbst hin, welches mit seinem weltgrundlegend richtenden Selbstakt das allein Gute ist.

Joh 5,24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.

Joh 5,25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, die Stunde kommt und ist schon da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie hören, werden leben.

Was erst noch kommt, aber auch schon da ist, und dann die Toten betreffend auch noch die Vergangenheit einbezieht, das ist eindeutig nullpunktuell. Und so ist es der nullpunktuelle Selbstverwerfungsakt zur Selbstweiche des Daseins, von der naturgemäß alles Daseiende betroffen sein muss. Es gibt nichts, was nicht die Stimme Gottes hört, denn er ist das Dasein, sodass alles Daseiende in ihm ist, und dann hören muss, was er spricht. Der trennaktiven Selbstpolarität gemäß ergibt sich dabei die identische Auftrennung in der Reaktion darauf. Wer und was sich der Stimme verschließt, das ist zum Nichtsein bestimmt, und wer und was sich ihr öffnet zum Dasein. Und es ist der identische Mensch, welcher in der Teilhabe an der Kehrseitigkeit des Daseins, bei Selbst-Anruf kehrpositional wird. So schlicht und einfach ist das Jüngste Selbstgericht des Daseins.

Wer sich in seinem Herzen zu Jesus als seinem Herrn bekennt, darf deshalb die beruhigende Gewissheit haben, bei Selbst-Anruf kehrpositional zu sich selbst in die Abzweigung des Lebens einzubiegen, und damit seinen vollzugsgmäßen Tod zur Vollzogenheit zu überleben. Wer in Selbstbeharrung vollzugsbezogen bleibt, und damit das Leben ablehnt, weiß sich als unvollzogener Vollzugstoter, der das Akt-Ende nicht überstehen wird.

Es ist demzufolge die Kehrseite des Lebens in uns, die in „Selbst“-Annahme den Tod zur Auferstehung überlebt. Und es ist die andere Kehrseite des Todes in uns, welche sich ihrer Natur gemäß nicht zum Leben zu bekennen vermag, und in einer  „Nicht-selbst“-Beharrung ihr Ende im Tod finden muss. Denn das Dasein setzt sich ja in Selbstpolarität aus todesbezogen einheitspassivem Nichts und lebensbezogen trennaktivem Sein zusammen, sodass alles Daseiende unausweichlich davon betroffen seinen beiden Kehrseiten den entsprechenden Tribut zu zollen hat.

 

 

 
 

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